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Oktober 2015

Sofort abzugsfähiger Erhaltungsaufwand oder anschaffungsnahe Herstellungskosten?

Werden innerhalb von drei Jahren nach Anschaffung eines Gebäudes Instandsetzung- und Modernisierungsmaßnahmen, deren Nettobetrag 15 % der Gebäude-Anschaffungskosten übersteigen, durchgeführt, stellen diese anschaffungsnahe Herstellungskosten dar.

Dies hat zur Folge, dass die Aufwendungen für diese Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen in dem Jahr, in dem sie angefallen sind, steuerlich nicht in voller Höhe abgesetzt werden können. Die Aufwendungen wirken sich vielmehr nur über die Gebäudeabschreibung (grds. 50 Jahre) aus.

Aktuell ist u.a. strittig, wie Aufwendungen, die zur Erlangung der Betriebsbereitschaft aufgewandt werden, zu behandeln sind.

Sachverhalt

Bevor die neu erworbene Immobilie an ihren Sohn vermietet wurde, haben die Eheleute die unbrauchbaren Fenster ausgetaucht. Die Kosten (17.850 EUR) wurden im Rahmen der Steuererklärung als Anschaffungskosten (= Aufwendungen zur Erlangung der Betriebsbereitschaft) erklärt.Zudem sind weitere Erhaltungsaufwendungen in Höhe von 16.617 EUR angefallen, welche als sofortabzugsfähige Werbungskosten angesetzt wurden.Entgegen der Steuererklärung berücksichtigte das Finanzamt die 16.617 EUR als anschaffungsnahe Herstellungskosten, weil sie zusammen mit den Aufwendungen für die Fenster die 15 %-Grenze überstiegen. Das sah das Finanzgericht München genauso.

Nach Meinung des Finanzgerichts sind alle Aufwendungen – mit Ausnahme von Erweiterungen und Aufwendungen für Erhaltungsarbeiten, die jährlich üblicherweise anfallen – bei Anwendung der 15 %-Grenze zu addieren.

Hinweis: Bislang ist höchstrichterlich noch nicht geklärt, wie Aufwendungen zur Erlangung der Betriebsbereitschaft bei der Ermittlung der 15 %-Grenze zu behandeln sind. Es bleibt daher abzuwarten, wie der Bundesfinanzhof den Fall in der Revision beurteilen wird.